Wie starte ich eine Zielgruppenanalyse als systemische Coach
Wie starte ich eine Zielgruppenanalyse als systemische Coach
Es ist ein Moment, der mich immer wieder fasziniert: Du hast deine systemische Coaching-Ausbildung abgeschlossen oder bist gerade mitten drin, und plötzlich steht die Frage im Raum: „Wie komme ich an Klient:innen? Und vor allem – mit wem will ich eigentlich arbeiten?“ Diese Fragen sind nicht nur pragmatisch, sie sind tiefgründig. Sie berühren die eigene Haltung, die Identität als Coach und das, was Du wirklich in die Welt bringen möchtest.
Ich erinnere mich gut an meine eigene Anfangsphase. Es war ein Ringen zwischen dem Wunsch, „allen helfen zu können“ und dem Bedürfnis, mich zu fokussieren. Dieses Spannungsfeld ist typisch. Systemisches Coaching ist per se offen, es passt auf viele Lebenslagen und Kontexte. Doch genau in dieser Offenheit liegt eine Herausforderung: Du kannst nicht alle gleichzeitig ansprechen und begleiten. Und willst Du das überhaupt? Für mich war das eine wichtige Unterscheidung: Unterschied zwischen dem, was systemisches Coaching alles kann – und dem, was ich persönlich wirklich gut und mit Freude leisten will.
Diese Unterscheidung beginnt mit einer einfachen, aber nicht triviale Frage: Mit wem will ich eigentlich am liebsten arbeiten? Nicht „mit wem kann ich arbeiten“, sondern „mit wem will ich arbeiten?“ Das ist kein theoretisches Gedankenspiel, sondern ein Perspektivwechsel, der vieles verändert. Denn wenn Du diese Frage ehrlich beantwortest, setzt Du einen Rahmen, der Dir Orientierung gibt und gleichzeitig Freiheit schenkt.
Warum ist Fokus auf eine Zielgruppe so wichtig, wenn doch systemisches Coaching universell anwendbar ist?
Ich beobachte oft, dass gerade Einsteiger:innen in der systemischen Coaching-Welt sich unter Druck setzen, „für alle“ da sein zu müssen. Die Versuchung ist groß, möglichst breit aufgestellt zu sein – um ja keine potenzielle Klient:in zu verlieren. Doch das führt häufig zu einem diffusen Angebot, das weder für Dich noch für Deine potenziellen Klient:innen klar und greifbar ist.
Hier hilft ein systemischer Blick: Die „Zielgruppe“ ist keine starre Kategorie, sondern ein Konstrukt, das Du als Coach aktiv mitgestaltest. Es ist eine Beobachtungsebene, die Du von Deiner eigenen Person trennen kannst. Du bist nicht Deine Zielgruppe, und Deine Zielgruppe ist nicht „alle“. Stattdessen kannst Du durch Unterscheidungen und Beobachtungen herausfinden, welche Menschen, mit welchen Themen, in welchem Kontext für Dich stimmig sind.
Für mich persönlich war das ein Prozess des Ausprobierens und der Selbstreflexion. Ich habe mir angeschaut, welche Themen mich wirklich fesseln, wo ich meine Erfahrungen und Kompetenzen einbringen kann und wo ich zugleich mit Neugier und Offenheit arbeiten möchte. Ich habe mich gefragt: Welche Geschichten von Menschen berühren mich? Welche Fragestellungen finde ich spannend? Wo spüre ich Energie und Sinn?
Wie kannst Du Deine Zielgruppe konkret beschreiben, ohne in Schubladen zu denken?
Eine hilfreiche Methode ist, Deine potenzielle Zielgruppe als eine konkrete Person zu beschreiben – fast so, als würdest Du einer Freundin von „Deiner Klientin“ erzählen. Was macht sie beruflich? Welche Herausforderungen hat sie? Welche Werte und Wünsche prägen sie? Welche Fragen bringt sie mit? Wo lebt sie, wie alt ist sie, wie sieht ihr Alltag aus?
Diese narrative Beschreibung ist mehr als eine demografische Aufzählung. Sie ist eine Einladung, in die Lebenswelt Deiner Zielgruppe einzutauchen und sie aus einer systemischen Perspektive zu beobachten. Dabei kannst Du immer wieder zwischen Beobachtung und Bewertung unterscheiden: Was nehme ich wahr? Welche Annahmen habe ich? Was könnte anders sein?
Diese Übung hilft, ein Bild zu zeichnen, das lebendig und dynamisch bleibt. Es vermeidet starre Kategorien und öffnet Raum für Komplexität und Vielfalt – ohne den Fokus zu verlieren.
Was passiert, wenn Du Deine Zielgruppe und deren Themen genauer betrachtest?
Wenn Du Dich auf eine oder zwei Zielgruppen konzentrierst, kannst Du tiefer in deren Lebenswelt eintauchen. Du kannst verstehen, welche Probleme und Fragestellungen wirklich relevant sind. Zum Beispiel: Du findest Berufsorientierung spannend – dann ist Deine Zielgruppe vielleicht Menschen, die vor einer beruflichen Entscheidung stehen, sich neu orientieren oder eine Veränderung anstreben. Oder Du hast eine Leidenschaft für Konfliktmanagement – dann könnten Führungskräfte oder Teams in Organisationen interessant sein.
Diese Fokussierung ermöglicht es Dir, Deine Angebote passgenauer zu gestalten. Du kannst Sprache, Methoden und Marketing so ausrichten, dass sie die Bedürfnisse und Wünsche Deiner Zielgruppe widerspiegeln. Das ist kein Ausschluss, sondern eine Einladung zur Klarheit.
Gleichzeitig ist es wichtig, flexibel zu bleiben. Zielgruppen sind keine festen Gefäße, sondern bewegen sich in Systemen. Deine Beobachtungen können sich verändern, neue Fragen tauchen auf, und Du kannst Deine Zielgruppenbeschreibung immer wieder anpassen.
Wie kannst Du herausfinden, ob Deine Zielgruppe auch wirtschaftlich tragfähig ist?
Ein oft unterschätzter Schritt in der Zielgruppenanalyse ist die Frage nach der Größe und Erreichbarkeit Deiner Zielgruppe. Hier kommt ein pragmatischer Blick ins Spiel: Wie viele Menschen gehören zu Deiner Zielgruppe? Wo findest Du sie? Wie kannst Du sie ansprechen? Und vor allem: Kannst Du mit dieser Zielgruppe genug Klient:innen gewinnen, um davon zu leben?
Diese Fragen sind keine Wertung, sondern eine systemische Beobachtung der Rahmenbedingungen. Wenn Du nebenberuflich coachst und das Einkommen nicht Dein Hauptfokus ist, kannst Du hier gelassener sein. Doch wenn Du hauptberuflich starten möchtest, ist es sinnvoll, diese wirtschaftliche Perspektive einzubeziehen.
Dabei hilft Recherche: Online-Plattformen, Branchenverbände, soziale Netzwerke oder auch klassische Marktforschung können Hinweise geben. Du kannst schauen, wie andere Coaches ihre Zielgruppen beschreiben und bedienen. Und Du kannst ausprobieren, mit kleinen Angeboten oder kostenlosen Gesprächen erste Rückmeldungen sammeln.
Welche inneren Spannungen und Denkfallen begegnen Dir bei der Zielgruppenanalyse?
Es ist normal, dass im Prozess der Zielgruppenanalyse innere Widersprüche auftauchen. Zum Beispiel das Gefühl, sich zu begrenzen oder etwas „wegzuschließen“. Oder die Angst, nicht genug Klient:innen zu finden, wenn Du Dich fokussierst. Oder das Bedürfnis, perfekt vorbereitet zu sein, bevor Du loslegst.
Hier ist es hilfreich, diese Spannungen nicht zu verdrängen, sondern sie als Teil des Lernprozesses zu akzeptieren. Du kannst sie beobachten, benennen und reflektieren. Welche Gedanken und Gefühle tauchen auf? Welche Glaubenssätze spielen eine Rolle? Wie beeinflussen sie Deine Entscheidungen?
Diese Selbstreflexion ist ein systemischer Schritt, der Dir hilft, bewusst und authentisch Deinen Weg zu gestalten – ohne Dich von inneren Blockaden lähmen zu lassen.
Wie kannst Du jetzt konkret starten und Deine Zielgruppenanalyse gestalten?
Ich lade Dich ein, mit einer einfachen Übung zu beginnen: Nimm Dir Zeit, um Deine Lieblingskund:innen zu beschreiben. Schreib auf, mit wem Du am liebsten arbeiten würdest. Welche Themen und Fragestellungen findest Du spannend? Welche Geschichten berühren Dich?
Dann ergänze diese Beschreibung um konkrete Merkmale: Alter, Beruf, Lebenssituation, Herausforderungen. Überlege, wo Du diese Menschen treffen kannst – online oder offline. Recherchiere, wie groß diese Gruppe ist und wie Du sie ansprechen kannst.
Und schließlich reflektiere Deine inneren Haltungen und Gedanken: Was macht Dir Angst? Wo spürst Du Unsicherheit? Welche Ressourcen hast Du, die Dich unterstützen?
Konkrete nächste Schritte
1. Schreibe eine narrative Beschreibung Deiner Wunschzielgruppe – so, als würdest Du sie einer Freundin erzählen.
2. Notiere die wichtigsten Fragestellungen und Probleme, die diese Zielgruppe bewegt.
3. Recherchiere online, wie groß diese Zielgruppe ist und wo Du sie findest.
4. Überlege, welche Kanäle und Formate geeignet sind, um diese Menschen anzusprechen.
5. Reflektiere Deine inneren Gedanken und Gefühle zu Deiner Zielgruppe – was unterstützt Dich, was hemmt Dich?
6. Starte mit einem kleinen Angebot oder einem kostenlosen Gespräch, um erste Erfahrungen zu sammeln.
Du suchst systemische Begleitung für Deinen Start als Coach?
In einem 15-minütigen kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, wo Du gerade stehst, was für Dich im Moment sinnvoll ist und ob eine Zusammenarbeit für uns beide passt. Das Gespräch ist unverbindlich und ohne Verkaufsdruck – einfach ein Raum für Dich und Deine Fragen.
Herzliche Grüße,
Vera
Nächster Schritt
Ich bin Vera, systemische Lehrcoach iA und systemische Coach und helfe systemischen Coaches beim Businessaufbau in den ersten Monaten und darüber hinaus. Wenn Du Unterstützung bei Deinem Start suchst, lade ich Dich herzlich zu einem kostenlosen 15-minütigen Erstgespräch ein. Gemeinsam klären wir Deine Fragen und finden heraus, wie ich Dich am besten begleiten kann.
Warum ist es wichtig, sich auf eine Zielgruppe zu fokussieren?
Ein Fokus verhindert ein diffuses Angebot und hilft, die Bedürfnisse der Zielgruppe klar zu verstehen und passgenau anzusprechen.
Wie kann ich meine Zielgruppe konkret beschreiben?
Indem Du Deine Zielgruppe als konkrete Person mit Beruf, Herausforderungen, Werten und Alltag beschreibst, ohne in starre Kategorien zu denken.
Wie finde ich heraus, ob meine Zielgruppe wirtschaftlich tragfähig ist?
Durch Recherche zur Größe, Erreichbarkeit und Nachfrage der Zielgruppe sowie erste Tests mit kleinen Angeboten oder Gesprächen.
Welche inneren Spannungen können bei der Zielgruppenanalyse auftreten?
Gefühle von Begrenzung, Angst vor zu wenig Klient:innen oder der Wunsch nach Perfektion können auftauchen und sollten reflektiert werden.
Wie kann ich mit der Zielgruppenanalyse starten?
Beginne mit der Beschreibung Deiner Lieblingskund:innen, ergänze konkrete Merkmale und reflektiere Deine inneren Haltungen und Gedanken.
Was sind konkrete nächste Schritte nach der Zielgruppenanalyse?
Narrative Beschreibung schreiben, Fragestellungen notieren, Recherche zur Zielgruppe durchführen, geeignete Kanäle überlegen, innere Gedanken reflektieren und mit kleinen Angeboten starten.