Wie viel Geld soll ich nehmen, wenn ich in der Ausbildung bin?
Wie viel Geld soll ich nehmen, wenn ich in der Ausbildung bin für meine ersten Coachings?
Diese Frage begegnet mir oft, wenn ich mit Menschen spreche, die gerade ihre systemische Coachingausbildung begonnen haben und die ersten Schritte in der Praxis wagen. Sie bringt eine ganze Reihe von inneren Spannungen mit sich: Darf ich schon Geld verlangen? Wie viel ist angemessen? Was bedeutet es eigentlich, Geld für meine Arbeit zu nehmen, wenn ich doch noch in der Lernphase bin? Ich möchte Dich einladen, diese Fragen nicht als einfache Preisgestaltung zu verstehen, sondern als Einladung, Deine Haltung, Deine Rolle und Deine Beziehung zu Dir selbst und Deinen Klient:innen zu reflektieren.
Was bedeutet es überhaupt, Geld für Coaching zu nehmen?
Wenn Du Dich fragst, ob Du Geld nehmen darfst, dann steckt darin schon eine Bewertung und eine innere Haltung, die es lohnt zu untersuchen. Geld ist nicht nur eine Zahlungsmittel, sondern ein Symbol für Wertschätzung, Verbindlichkeit und Erwartung. Wenn Du Geld verlangst, gibst Du ein Signal: Ich stehe mit meinem Können und meiner Zeit in einem Austausch. Gleichzeitig setzt das bei Deinen Klient:innen eine Erwartungshaltung in Gang. Sie erwarten eine Leistung, die ihrem Preis entspricht.
Hier lohnt sich ein Perspektivwechsel: Wie erlebst Du selbst den Zusammenhang von Preis und Wert? Wenn Du zum Friseur gehst und der verlangt 3 Euro, was denkst Du über die Qualität der Leistung? Oder wenn ein Rechtsanwalt 10 Euro pro Stunde verlangt? Wahrscheinlich würdest Du an der Qualität zweifeln. Unsere Wahrnehmung von Wert ist eng mit Zahlen verbunden, auch wenn es sich dabei um eine Konstruktion handelt, die wir gemeinsam aushandeln.
Was bedeutet das für Dich als angehende Coachin? Wenn Du ganz am Anfang stehst, ist es absolut legitim, zunächst kein Geld zu nehmen. So kannst Du Erfahrungen sammeln, ohne Dich dem Druck einer „Preis-Leistungs-Erwartung“ auszusetzen, die Du vielleicht noch nicht erfüllen kannst oder willst. Doch frage Dich: Was bedeutet es für Dich persönlich, wenn Du kein Geld nimmst? Fühlst Du Dich damit wertgeschätzt? Oder entsteht ein Gefühl von Unterbewertung Deiner Arbeit?
Wie finde ich eine angemessene Preishaltung in der Ausbildung?
Die Frage nach dem „Wie viel?“ lässt sich nicht pauschal beantworten. Es gibt keine Formel, die für alle passt. Vielmehr ist es eine zirkuläre Arbeit, die Du mit Dir selbst führen kannst. Du beobachtest Deine eigenen Bewertungen, Deine innere Haltung, die Reaktionen Deiner Klient:innen und Deine Praxis.
Ich empfehle Dir, zwei Preispunkte zu entwickeln: einen niedrigeren und einen etwas höheren. Überlege, welche Kund:innengruppen Du ansprechen möchtest. Sind es Studierende? Menschen im öffentlichen Dienst? Oder vielleicht bereits Berufstätige mit einem gewissen Einkommen? Jede dieser Gruppen hat unterschiedliche Möglichkeiten und Erwartungen.
Wenn Du beispielsweise 50 Euro für Studierende und 75 Euro für Berufstätige nimmst, hast Du zwei Ankerwerte, mit denen Du experimentieren kannst. Dabei ist es wichtig, dass Du Dich mit diesen Zahlen wohlfühlst. Denn Deine innere Haltung spiegelt sich in der Kommunikation und im Erleben Deiner Klient:innen wider.
Wenn Dir ein Preis unangenehm ist, lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Welche Gedanken und Gefühle tauchen auf? Hast Du Zweifel an Deinem Wert? Oder fühlst Du Dich unsicher in Deiner Rolle? Diese Reflexionen sind wertvoll, weil sie Dich auf eine tiefere Ebene Deiner professionellen Identität bringen.
Welche inneren Spannungen und Widersprüche tauchen auf, wenn ich Preise festlege?
Preise zu bestimmen, ist immer auch ein Tanz mit inneren Widersprüchen. Auf der einen Seite willst Du Deine Arbeit wertschätzen und angemessen honoriert werden. Auf der anderen Seite gibt es vielleicht Zweifel, Unsicherheiten und Ängste, nicht gut genug zu sein oder Kund:innen zu verlieren.
Hier ist es hilfreich, eine Unterscheidung zu machen zwischen Deiner Rolle als Coachin und Deiner Person als lernender Mensch. Deine Rolle verlangt eine gewisse Professionalität und Klarheit, während Deine Person noch in der Entwicklung ist. Diese Spannung auszuhalten, ohne sie sofort auflösen zu wollen, ist eine wichtige Fähigkeit.
Auch ist es sinnvoll, zwischen Beobachtung und Bewertung zu unterscheiden. Wenn Du Dir sagst: „Ich bin noch in der Ausbildung, ich darf noch kein Geld nehmen“, dann ist das eine Bewertung, die Deine Möglichkeiten einschränken kann. Wenn Du stattdessen beobachtest: „Ich habe gerade erste Erfahrungen, ich möchte ausprobieren, wie es ist, Geld zu nehmen“, öffnet das einen Raum für Experiment und Entwicklung.
Wie kann ich mit meiner Preisgestaltung systemisch umgehen?
Aus systemischer Perspektive ist das Festlegen von Preisen kein isolierter Akt, sondern Teil eines größeren sozialen Systems. Deine Preisgestaltung beeinflusst die Beziehung zu Deinen Klient:innen, Deine eigene Haltung und die Wahrnehmung Deiner Arbeit im Markt.
Eine hilfreiche Übung ist es, eine Tabelle anzulegen, in der Du Deine Kund:innengruppen, deren mögliche Zahlungsfähigkeit und Deine eigenen Preisvorstellungen gegenüberstellst. So kannst Du systematisch reflektieren, welche Preise für wen sinnvoll sind und wie Du damit umgehen möchtest.
Setze Dir außerdem ein Datum, ab dem Du Deine Coachings honorierst. Das kann Dir helfen, einen Übergang bewusst zu gestalten und Deine Entwicklung zu strukturieren. Bis zu diesem Zeitpunkt kannst Du die ersten Coachings auch unentgeltlich anbieten, um Sicherheit und Erfahrung zu gewinnen.
Welche Fragen kannst Du Dir jetzt stellen?
- Was bedeutet es für mich persönlich, Geld für meine Coachingarbeit zu nehmen?
- Wie beeinflusst mein Preis die Erwartungen meiner Klient:innen?
- Welche Kund:innengruppen möchte ich ansprechen und wie sind deren Möglichkeiten?
- Welche inneren Bewertungen und Zweifel tauchen auf, wenn ich an Preise denke?
- Wie kann ich meine Rolle als Coachin und meine Person als Lernende unterscheiden und integrieren?
- Welches Datum setze ich mir, ab dem ich für meine Coachings ein Honorar verlange?
Konkrete nächste Schritte
- Schreibe Dir zwei Preispunkte auf: einen niedrigeren und einen höheren, die Du Dir für Deine verschiedenen Kund:innengruppen vorstellen kannst. Achte darauf, dass Du Dich mit diesen Zahlen wohlfühlst.
- Erstelle eine Tabelle mit Deinen Kund:innengruppen, deren möglichen Budgets und Deinen Preisvorstellungen. So bekommst Du einen Überblick und kannst gezielt reflektieren.
- Setze Dir ein konkretes Datum, ab dem Du Deine Coachings honorierst. Bis dahin kannst Du Deine ersten Coachings als Lerngelegenheiten kostenfrei anbieten.
- Beobachte Deine inneren Bewertungen und Gefühle zum Thema Geld und Preisgestaltung. Schreibe auf, was Dir auffällt, und reflektiere, wie diese Gedanken Deine Haltung beeinflussen.
- Führe erste Coachings mit klarer Kommunikation zu Deinem Honorar durch. Erlaube Dir, dabei zu experimentieren und aus den Erfahrungen zu lernen.
Ich hoffe, dieser Text hat Dir geholfen, Dich in der Frage nach der Preisgestaltung in Deiner Ausbildung zurechtzufinden. Wenn Du Begleitung bei Deinem Businessaufbau mit systemischer Kompetenz suchst oder Unterstützung bei der Entwicklung Deiner Haltung und Preisgestaltung möchtest, lade ich Dich herzlich ein, ein 15-minütiges Kennenlerngespräch mit mir zu buchen. Gemeinsam können wir schauen, wie Du Deinen Weg als Coachin klar und selbstbewusst gestalten kannst – ganz ohne Druck, aber mit professioneller Begleitung.
Ich freue mich auf den Austausch mit Dir.
Herzlich,
Vera
(systemische Lehrcoachin in Ausbildung und systemische Coach)
Nächster Schritt
Ich lade Dich herzlich ein, ein 15-minütiges Kennenlerngespräch mit mir zu buchen. Gemeinsam können wir schauen, wie Du Deinen Weg als Coachin klar und selbstbewusst gestalten kannst – ganz ohne Druck, aber mit professioneller Begleitung.
Darf ich schon Geld für meine Coachings verlangen, wenn ich noch in der Ausbildung bin?
Ja, es ist legitim, auch in der Ausbildung Geld zu nehmen, wenn Du Dich damit wohlfühlst. Alternativ kannst Du auch zunächst kostenfrei Erfahrungen sammeln.
Wie finde ich eine angemessene Preishaltung während der Ausbildung?
Entwickle zwei Preispunkte – einen niedrigeren und einen höheren – und überlege, welche Kund:innengruppen Du ansprechen möchtest. Reflektiere Deine innere Haltung zu diesen Preisen.
Welche inneren Spannungen können bei der Preisgestaltung auftreten?
Zweifel, Unsicherheiten und Ängste, nicht gut genug zu sein oder Kund:innen zu verlieren, sind häufige innere Spannungen beim Festlegen von Preisen.
Wie kann ich systemisch mit meiner Preisgestaltung umgehen?
Betrachte Deine Preisgestaltung als Teil eines sozialen Systems, reflektiere Kund:innengruppen und deren Zahlungsfähigkeit und setze Dir ein Datum, ab dem Du honorierst.
Welche Fragen helfen mir bei der Reflexion meiner Preisgestaltung?
Fragen wie: Was bedeutet Geld für mich? Wie beeinflusst mein Preis die Erwartungen? Welche Kund:innengruppen möchte ich ansprechen? Welche inneren Zweifel habe ich? Sind hilfreich.