Wie finde ich Coachees während meiner systemischen Ausbildung?
Wie finde ich Coachees während meiner systemischen Ausbildung?
Diese Frage begleitet mich und viele meiner Kolleg:innen in der Ausbildung zum systemischen Coaching. Sie ist keine theoretische, sondern eine ganz praktische Herausforderung: Wie komme ich an Menschen, mit denen ich echte Coachingpraxis sammeln kann? Gerade, wenn du eine TSG- oder DGSF-Zertifizierung anstrebst, sind diese Praxisstunden verpflichtend. Doch das Coachen selbst ist selten das Problem. Vielmehr ist es das Finden der passenden Klient:innen, das oft wie eine Hürde wirkt.
Warum ist das Finden von Klient:innen eigentlich so schwierig?
Wenn ich genauer hinschaue, entdecke ich eine innere Spannung, die viele von uns kennen: Auf der einen Seite wollen wir professionell und kompetent auftreten, auf der anderen Seite fühlen wir uns noch in der Rolle der Lernenden, vielleicht sogar unsicher. Das führt oft zu einem inneren Konflikt: „Wie kann ich anderen helfen, wenn ich selbst noch in der Ausbildung bin?“ Gleichzeitig gibt es die Angst, zu aufdringlich zu wirken oder nicht ernst genommen zu werden.
Hier hilft ein systemischer Blick: Es geht nicht darum, diese Spannung zu eliminieren, sondern sie zu beobachten, zu benennen und mit ihr zu arbeiten. Welche Geschichten erzähle ich mir selbst über meine Rolle als Coach in Ausbildung? Welche Erwartungen habe ich an mich und an andere? Und wie kann ich diese Geschichten verändern, damit sie mir nützen?
Welche Rahmenbedingungen gilt es zu klären, bevor ich loslege?
Bevor du überhaupt daran denkst, Menschen anzusprechen, ist es wichtig, die Regularien deiner Ausbildung genau zu prüfen. Die Vorgaben sind nicht nur Formalitäten, sondern schützen dich und deine Klient:innen. Wer darf gecoacht werden? Gibt es Einschränkungen bei der Auswahl, etwa keine engen Freund:innen oder Familienmitglieder? Wie sieht es mit Bezahlung aus? Darfst du kostenfrei arbeiten, oder sind reduzierte Honorare erlaubt?
Diese Fragen sind keine lästige Pflicht, sondern schaffen Klarheit und Sicherheit. Sie helfen dir, deine Rolle als Coach in Ausbildung zu definieren und Grenzen zu setzen. Das wiederum stärkt deine Professionalität und schafft Vertrauen bei deinen Klient:innen.
Wer sind die passenden Menschen für meine ersten Coachingstunden?
Aus meiner Erfahrung und vielen Gesprächen mit Auszubildenden weiß ich: Gerade zu Beginn der Ausbildung sind Zielgruppen hilfreich, die offen sind für Coaching, wenig oder kein Budget haben, aber von professioneller Begleitung stark profitieren können. Dazu gehören Studierende, Schüler:innen in Abschlussphasen, Auszubildende oder Menschen in beruflichen oder persönlichen Orientierungsphasen.
Diese Gruppen sind oft dankbar für Unterstützung – auch wenn sie kostenfrei oder zu reduzierten Konditionen angeboten wird. Hier zeigt sich eine wichtige Unterscheidung: Coaching ist nicht nur etwas für Führungskräfte oder Manager:innen. Es ist ein Angebot, das in vielen Lebensphasen sinnvoll sein kann.
Wie spreche ich Menschen an, ohne mich zu verstellen?
Die Praxis zeigt, dass ein klarer, ehrlicher Umgang am besten funktioniert. Du kannst ganz offen sagen: „Ich bin in einer systemischen Coaching-Ausbildung und suche Übungsklient:innen.“ Dabei ist es wichtig, deine Rolle transparent zu machen: Du bist Coach in Ausbildung – professionell, aber lernend.
Das nimmt Druck von dir und schafft Vertrauen bei den Menschen, die du ansprichst. Oft helfen dir dein privates Umfeld und das Netzwerk weiter: Eltern im Bekanntenkreis, Freund:innen, Kolleg:innen. Auch Freunde von Freunden können wertvolle Kontakte vermitteln.
Reflektiere für dich: Wie fühlst du dich mit dieser Offenheit? Welche inneren Bewertungen tauchen dabei auf? Was kannst du tun, um dich dabei sicherer zu fühlen?
Wie kann ich mein Netzwerk systematisch nutzen?
Ein weiterer Schritt ist, dein Netzwerk gezielt und systematisch einzusetzen. Das bedeutet, dass du dein Angebot klar formulierst: Was bietest du an? Für wen? Unter welchen Bedingungen? In welchem Rahmen?
Je klarer und präziser du das kommunizierst, desto leichter fällt es anderen, dich weiterzuempfehlen. Hier zeigt sich ein systemischer Zusammenhang: Deine Klarheit erzeugt Klarheit im Umfeld. Und diese Klarheit wiederum schafft Verbindungen.
Überlege auch: Wo sind die Menschen, mit denen du arbeiten möchtest? Welche Räume, Gruppen oder Veranstaltungen kannst du besuchen? Wie kannst du dort präsent sein, ohne dich zu verbiegen?
Wann lohnt es sich, die eigene Zielgruppe zu schärfen?
Im letzten Drittel der Ausbildung verändert sich oft die Perspektive. Du bist nicht mehr nur auf der Suche nach irgendeiner Person, die gecoacht werden möchte. Stattdessen kannst du dich fragen: Mit welchen Menschen arbeite ich am liebsten? Zu welchen Themen? Was macht mir Freude, wo fühle ich mich kompetent?
Diese Fokussierung ist kein Ausschluss, sondern eine Einladung zur Selbstreflexion und zur Entwicklung deiner professionellen Identität. Vielleicht sind es junge Führungstalente, Menschen in beruflichen Umbruchsituationen oder Gründer:innen, die Klarheit suchen.
Diese Unterscheidung hilft dir, gezielter zu akquirieren und deine Ressourcen sinnvoll einzusetzen.
Wie baue ich eine stimmige Klientenstruktur auf?
Der Weg von der Wunschzielgruppe zur tatsächlichen Akquise ist ein Prozess. Er beginnt mit der Definition deiner Lieblingskund:innen und der Klärung ihrer typischen Fragestellungen. Dann überlegst du: Wo sind diese Menschen? In welchen Kontexten bewegen sie sich? Wer in meinem Netzwerk hat Zugang zu ihnen?
Schließlich kannst du gezielt um Kontaktvermittlung oder Weiterempfehlung bitten. So entsteht Schritt für Schritt eine Klientenstruktur, die zu dir passt – oft schon während der Ausbildung.
Hier ist Geduld gefragt. Es ist ein Prozess, bei dem du immer wieder beobachten, anpassen und reflektieren kannst.
Welche inneren Spannungen und Denkfallen begegnen mir auf diesem Weg?
Vielleicht kennst du das Gefühl, dich selbst klein zu machen oder zu denken, du müsstest schon alles perfekt können, bevor du andere coachst. Oder die Sorge, du störst jemanden mit deinem Angebot. Diese inneren Stimmen sind normal, aber sie können dich blockieren.
Eine hilfreiche Unterscheidung ist die zwischen Beobachtung und Bewertung: Was sehe oder höre ich tatsächlich? Was ist meine Interpretation oder mein Urteil? Wenn du diese Unterscheidung bewusst machst, kannst du deine Gedanken hinterfragen und neue Perspektiven einnehmen.
Reflexionsfrage: Welche Gedanken hindern dich daran, aktiv auf Menschen zuzugehen? Was wäre, wenn diese Gedanken nicht wahr wären?
Wie kannst du jetzt konkret starten?
Es gibt keinen perfekten Moment, um anzufangen. Das Wichtigste ist, ins Tun zu kommen – mit kleinen, realistischen Schritten. Vielleicht startest du mit einer Person aus deinem Umfeld, der du dein Angebot transparent machst. Oder du besuchst eine Veranstaltung, bei der du potenzielle Klient:innen treffen kannst.
Bleibe dabei in deiner Haltung: Du bist Lernende*r, du bietest einen Raum an, und jede Begegnung ist eine Chance, zu wachsen – für dich und deine Klient:innen.
Konkrete nächste Schritte
1. Prüfe die Regularien deiner Ausbildung und notiere dir die wichtigsten Rahmenbedingungen für deine Praxis.
2. Definiere eine Zielgruppe, die für dich passt – z. B. Studierende oder Menschen in Orientierungsphasen.
3. Formuliere dein Angebot klar und ehrlich: Was bietest du an, für wen und unter welchen Bedingungen?
4. Sprich Menschen in deinem Umfeld an und bitte um Unterstützung oder Weiterempfehlungen.
5. Beobachte deine inneren Gedanken und Bewertungen, die dich beim Kontaktaufbau begleiten, und reflektiere sie.
6. Setze dir kleine, erreichbare Ziele – etwa ein erstes Probecoaching oder ein Gespräch.
7. Bleibe offen für Erfahrungen und passe deinen Weg immer wieder an.
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- wo Du gerade stehst,
- was für Dich im Moment sinnvoll ist
- und ob eine Zusammenarbeit für uns beide passt.
Herzliche Grüße,
Vera
Nächster Schritt
Ich bin Vera, systemische Lehrcoach iA und systemische Coach und helfe systemischen Coaches beim Businessaufbau in den ersten Monaten und darüber hinaus. Wenn du Unterstützung suchst, lade ich dich herzlich zu einem kostenlosen 15-minütigen Erstgespräch ein.
Wie finde ich während der Ausbildung passende Coachees?
Indem du dein Netzwerk nutzt, dein Angebot klar formulierst und eine Zielgruppe definierst, die offen für Coaching ist und wenig oder kein Budget hat, z. B. Studierende oder Menschen in Orientierungsphasen.
Welche inneren Spannungen können beim Finden von Klient:innen auftreten?
Unsicherheit, das Gefühl, noch nicht kompetent genug zu sein, Angst vor Ablehnung oder zu aufdringlich zu wirken sind typische innere Spannungen.
Welche Rahmenbedingungen sollte ich vor der Klientensuche klären?
Regelungen der Ausbildung, wer gecoacht werden darf, Einschränkungen bei der Auswahl, Bezahlung und Honorare sollten geprüft werden, um Klarheit und Sicherheit zu schaffen.
Wie kann ich mein Netzwerk effektiv nutzen?
Indem du dein Angebot klar kommunizierst, gezielt um Weiterempfehlungen bittest und dich in passenden Gruppen oder Veranstaltungen präsentierst.
Wann sollte ich meine Zielgruppe schärfen?
Im letzten Drittel der Ausbildung, wenn du deine professionelle Identität entwickelst und gezielter akquirieren möchtest.
Wie starte ich konkret mit der Klientensuche?
Mit kleinen, realistischen Schritten, z. B. eine Person aus dem Umfeld ansprechen oder eine Veranstaltung besuchen, und offen für Erfahrungen bleiben.