Welche Produkte soll ich überhaupt anbieten als systemische Coach
Welche Produkte soll ich überhaupt anbieten als systemische Coach
Diese Frage begegnet mir immer wieder – in Gesprächen, in Mails, in den stillen Momenten zwischen den Aufträgen. „Welche Produkte soll ich überhaupt anbieten als systemische Coach?“ Sie klingt so einfach, fast banal. Und doch steckt darin eine ganze Welt von Unsicherheiten, Möglichkeiten und inneren Spannungen. Ich möchte dich heute mitnehmen in meine Gedanken dazu, wie ich diese Frage für mich beantworte – und wie du sie für dich selbst erkunden kannst.
Balance zwischen Lebendigkeit und Struktur
Wenn ich diese Frage höre, spüre ich sofort eine Unschärfe, die mich stört. Denn „Produkte“ klingt so fest, so greifbar, so marktwirtschaftlich. Und systemisches Coaching? Das ist doch ein lebendiger, relationaler Prozess, der sich aus den Anliegen der Menschen entfaltet, die zu mir kommen. Da will ich nicht einfach ein Produkt „abliefern“ wie eine Ware. Gleichzeitig weiß ich, dass wir in einer Welt leben, die nach Angeboten fragt, nach klaren Strukturen, nach Formen, in denen wir uns positionieren können. Also: Wie finde ich die Balance zwischen Lebendigkeit und Struktur? Zwischen offenem Prozess und klarer Produktlogik?
Vom Problem ausgehen
Ich beginne immer damit, vom Problem auszugehen. Nicht vom Produkt, nicht von der Form, sondern vom Problem, das gelöst werden soll. Was sind die Anliegen, die Menschen zu mir bringen? Welche Herausforderungen, welche Spannungen, welche Unklarheiten? Und ganz wichtig: Welche dieser Probleme berühren mich wirklich? Wo spüre ich ein inneres Ja, eine Resonanz? Was macht mir Spaß? Wo habe ich Erfahrung, Einblick, vielleicht sogar eine eigene Geschichte?
Ich lade dich ein, hier kurz innezuhalten und dich zu fragen: Was sind die Probleme, die ich wirklich lösen will? Nicht die, die ich mir vorstelle, die „da draußen“ sind, sondern die, die mich ansprechen, die mich bewegen. Vielleicht ist es das Thema Führung, das dich fasziniert. Oder die Begleitung von Menschen in Übergängen. Vielleicht liegt dir die Arbeit mit Teams am Herzen, oder du möchtest Organisationen in Veränderung unterstützen. Je klarer du hier wirst, desto leichter wird es, passende Formate zu finden.
Unterscheidung zwischen Zielgruppe und Anliegen
Eine weitere Unterscheidung, die mir in diesem Prozess hilft, ist die zwischen Zielgruppe und Anliegen. Manchmal denken wir zuerst an Zielgruppen: „Ich arbeite mit Führungskräften“, „Ich unterstütze Lehrer:innen“, „Ich begleite Gründer:innen“. Das ist ein guter Anfang, aber es ist nicht alles. Denn hinter jeder Zielgruppe stehen ganz unterschiedliche Anliegen. Die Kita-Leitung, die ich begleite, hat andere Fragen als die Führungskraft in einem IT-Unternehmen, auch wenn beide vielleicht mit „Führung“ zu tun haben. Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Welche Anliegen sind typisch? Welche Probleme wiederholen sich? Und warum sind sie wichtig?
Beispiel einer Klientin: Kita-Leitung
Ich erinnere mich an eine Klientin, die Kita-Leitungen begleitet. Für sie war es nicht nur ein Job, sondern eine Herzensangelegenheit: Sie wollte, dass Kinder gut betreut werden, weil sie selbst erlebt hatte, wie schwierig es sein kann, in diesem System zu arbeiten. Ihr Anliegen war tief, persönlich, systemisch. Und daraus ergaben sich ganz konkrete Angebote: Einzelcoachings, in denen sie die Leitungskräfte in ihren individuellen Herausforderungen stärkte, Gruppencoachings, in denen sich die Leitungen austauschen konnten, Seminare, die Wissen und Praxis verbanden. Sie baute eine Produkttreppe, die von niedrigschwelligen Angeboten bis zu intensiven Begleitungen reichte – nicht nur für die Kitaleitung und ihre Führungskräfte, sondern auch für die strukturelle Ebene darüber.
Mögliche Formate
Welche Formate kannst du dir vorstellen, um dein Anliegen zu bedienen? One-on-One-Coaching, Gruppencoachings, Supervision, Seminare, Seminarreihen, Programme, die Coaching und Wissensvermittlung verbinden? Oder möchtest du das große Rad drehen und an den Strukturen arbeiten – in Ministerien, Kommunen, Organisationen? Jede dieser Formen hat ihre eigene Dynamik, ihre eigenen Anforderungen und Chancen. Und jede passt zu unterschiedlichen Anliegen und Lebenssituationen.
Lösungsräume eröffnen
Hier ein Perspektivwechsel: Was, wenn du nicht „Produkte“ anbietest, sondern „Lösungsräume“ eröffnest? Räume, in denen Menschen ihre Themen erforschen, neue Perspektiven entwickeln, sich selbst besser verstehen und handlungsfähig werden. Aus dieser Haltung heraus verliert die Frage nach dem „Produkt“ ihren Druck. Es geht nicht um das Abhaken einer Liste von Angeboten, sondern um die Gestaltung von Begegnungen, die wirksam sind. Wie kannst du solche Räume gestalten? Welche Formate ermöglichen das am besten?
Systemische Selbstbeobachtung
Wenn du dich jetzt fragst, wie du das alles praktisch zusammenbringen kannst, lade ich dich ein, dich selbst systemisch zu beobachten: Welche Gedanken und Gefühle tauchen auf, wenn du an dein Angebot denkst? Wo spürst du Widerstand, wo Neugier? Welche inneren Stimmen reden mit? Vielleicht gibt es da ein Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Klarheit und der Angst vor Festlegung. Oder zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und dem Impuls zur Freiheit. Diese inneren Spannungen sind wertvoll, denn sie zeigen dir, wo es sich lohnt, genauer hinzuschauen.
Lass uns auch die Unterscheidung zwischen Beobachtung und Bewertung nutzen: Was beobachtest du an dir und deinem Umfeld, wenn du über dein Angebot nachdenkst? Welche Bewertungen schwingst du mit? Kannst du diese Bewertungen als solche erkennen und dir erlauben, sie für einen Moment beiseite zu legen? So schaffst du Raum für neue Sichtweisen.
Nachhaltige Veränderungen ermöglichen
Eine weitere Reflexionsfrage: Wie kannst du deine Angebote so gestalten, dass sie nicht nur kurzfristige Lösungen bieten, sondern nachhaltige Veränderungen ermöglichen? Nachhaltigkeit ist ein Schlüsselbegriff im systemischen Denken. Es geht nicht um schnelle Tricks, sondern um tiefe Lernprozesse, die Menschen und Systeme weiterbringen. Wie kann dein Angebot diesen Anspruch erfüllen?
Der Weg zu passenden Angeboten als Prozess
Ich habe in meiner Arbeit oft erlebt, dass der Weg zu passenden Angeboten ein Prozess ist – kein Sprint, sondern ein Tanz. Du probierst aus, du reflektierst, du passt an. Du hörst zu, was die Menschen sagen, die zu dir kommen. Und du beobachtest, was in dir passiert. Dieses wechselseitige Beobachten und Anpassen ist das Herz systemischer Arbeit.
Unterscheidung Rolle und Person
Vielleicht hilft dir auch die Unterscheidung zwischen Rolle und Person: Als systemische Coachin hast du eine Rolle, die du ausfüllst. Diese Rolle ist flexibel, relational und kontextabhängig. Deine Person, mit all deinen Erfahrungen, Werten und Haltungen, fließt in diese Rolle ein. Wie kannst du deine Angebote so gestalten, dass sie authentisch zu dir passen und gleichzeitig den Bedürfnissen deiner Klient:innen gerecht werden?
Kleine Schritte zum Angebot
Zum Abschluss dieses Gedankengangs lade ich dich ein, dich selbst zu fragen: Welche kleinen Schritte kann ich heute gehen, um meinem Angebot näherzukommen? Was kann ich ausprobieren? Wo brauche ich Unterstützung? Und wie kann ich mir selbst dabei begegnen – mit Neugier, Geduld und Offenheit?
Konkrete nächste Schritte
1. Definiere für dich das Problem, das du lösen willst. Schreibe es auf – so konkret und persönlich wie möglich.
2. Beschreibe deine Zielgruppe nicht nur demografisch, sondern vor allem hinsichtlich ihrer Anliegen und Herausforderungen.
3. Überlege, welche Formate du anbieten kannst, die zu deinem Anliegen und deiner Zielgruppe passen – von Einzelcoaching bis zu Programmen.
4. Beobachte deine inneren Reaktionen auf diese Überlegungen: Wo spürst du Widerstand, wo Freude? Notiere deine Gedanken.
5. Teste ein kleines Angebot im Rahmen eines Pilotprojekts oder einer kostenlosen Session, um Feedback zu bekommen und zu lernen.
6. Suche dir eine Begleitung oder einen Austauschpartner, der dich in diesem Prozess unterstützt und mit dem du deine Reflexionen teilen kannst.
Du suchst systemische Begleitung für Deinen Start als Coach?
In einem 15-minütigen kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, wo Du gerade stehst, was für Dich im Moment sinnvoll ist und ob eine Zusammenarbeit für uns beide passt. Ich begleite Dich gerne auf Deinem individuellen Weg – ohne Druck, mit Offenheit und Respekt. Jetzt kostenloses Erstgespräch buchen.
Herzliche Grüße,
Vera
Nächster Schritt
Ich bin Vera, systemische Lehrcoach iA und systemische Coach und helfe systemischen Coaches beim Businessaufbau in den ersten Monaten und darüber hinaus. Wenn du Unterstützung suchst, lade ich dich herzlich ein, ein kostenloses Erstgespräch mit mir zu buchen. Gemeinsam schauen wir, wo du gerade stehst und wie ich dich auf deinem Weg begleiten kann.
Welche Bedeutung hat der Begriff „Produkte“ im systemischen Coaching?
„Produkte“ wirken oft fest und marktwirtschaftlich, während systemisches Coaching ein lebendiger, relationaler Prozess ist, der sich aus den Anliegen der Menschen entfaltet.
Wie finde ich passende Angebote als systemische Coachin?
Indem du vom Problem ausgehst, das gelöst werden soll, und dich fragst, welche Anliegen dich persönlich berühren und wo du Erfahrung hast.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Zielgruppe und Anliegen wichtig?
Weil unterschiedliche Personen in einer Zielgruppe unterschiedliche Anliegen und Herausforderungen haben, die es genau zu verstehen gilt.
Welche Formate kann ich als systemische Coachin anbieten?
Formate wie Einzelcoaching, Gruppencoachings, Supervision, Seminare, Seminarreihen oder Programme, die Coaching und Wissensvermittlung verbinden, sind möglich.
Was bedeutet es, „Lösungsräume“ zu eröffnen?
Statt feste Produkte anzubieten, schaffst du Räume, in denen Menschen ihre Themen erforschen, neue Perspektiven entwickeln und handlungsfähig werden.
Wie kann ich nachhaltige Veränderungen durch mein Angebot fördern?
Indem du Angebote gestaltest, die tiefe Lernprozesse ermöglichen und nicht nur kurzfristige Lösungen bieten.
Welche nächsten Schritte helfen beim Aufbau meines Angebots?
Konkrete Schritte sind: Problem definieren, Zielgruppe und Anliegen beschreiben, passende Formate überlegen, innere Reaktionen beobachten, ein Pilotangebot testen und Begleitung suchen.