Abstraktes Bild mit der Frage 'Welche Haftung muss ich ausschließen als systemische Coach?'

Welche Haftung muss ich ausschließen als systemische Coach


Welche Haftung muss ich ausschließen als systemische Coach

Wenn ich gefragt werde, welche Haftung ich als systemische Coach ausschließen muss, dann ist meine erste Antwort: Das kann ich dir nicht pauschal sagen. Ich bin keine Versicherungsexpertin, keine Rechtsanwältin, sondern systemische Coachin. Und gerade aus dieser Haltung heraus ist es mir wichtig, dir nicht mit einfachen Antworten zu kommen, sondern dich einzuladen, deine eigene Situation und deine Verantwortung genau zu betrachten. Meine Herangehensweise an diese sehr individuellen Fragen ist: ich informiere mich. Ich reflektiere meine eigene Situation genau. Am Ende treffe ich die Entscheidung für mich und übernehme dann auch die Verantwortung dafür.

Was bedeutet das konkret? Es heißt, dass du dir zunächst einmal klarmachen solltest, mit wem du arbeitest, welche Fragestellungen häufig auftauchen und was systemisches Coaching für dich bedeutet. Denn diese Klarheit ist die Basis, um überhaupt zu verstehen, welche Risiken entstehen können – und welche Haftungen vielleicht relevant sind.

Ich erlebe immer wieder, dass Versicherungsmakler oft gar nicht wissen, was systemisches Coaching wirklich ist. Sie verstehen es häufig als eine Art Beratung, in der du Tipps gibst oder Ratschläge erteilst. Oder sie denken, es ist so eine Art Therapie.  Aber systemisches Coaching ist etwas anderes: Es ist ein reflektionsgeleiteter Prozess, in dem du keine Entscheidungen für Deine Kund:innen triffst, keine Lösungen anbietest und niemanden zu einer bestimmten Handlung drängst. Du bist Begleiterin und Fragestellerin, die den Raum hält für die eigene Entscheidungsfindung der Coachee.

Diese Unterscheidung ist entscheidend, wenn es um Haftung geht. Denn wenn du keine Ratschläge gibst, sondern nur Fragen stellst, trägst du nicht die Verantwortung für die Entscheidungen, die deine Coachee trifft. Allerdings kann Deine Kundschaft das gegebenenfalls anders sehen oder in Erinnerung haben. Das kann auch nicht passieren, wenn du bewusst darauf achtest, dass deine Fragen den Prozess unterstützen und nicht manipulieren. Natürlich bist du in der Interaktion immer Teil des Systems, du beeinflusst den Verlauf und die Dynamik – das gehört zur Kybernetik zweiter Ordnung dazu. Aber Einflussnahme und Manipulation sind zwei verschiedene Dinge. Manipulation zielt darauf ab, jemanden zu einer bestimmten Entscheidung zu bringen, Einflussnahme ist ein natürlicher Teil der Beziehungsgestaltung.

Stell dir vor, deine Coachee sagt nach einer Sitzung: „Ich habe mir jetzt das Haus gekauft, weil du gesagt hast, ich soll das machen.“ Wenn du so etwas sagst, hast du deine Rolle verlassen und eine Verantwortung übernommen, die du nicht tragen solltest. Stattdessen willst du fragen: „Was spricht für das Haus? Was spricht dagegen? Welche Folgen könnte das haben?“ Du begleitest die Reflexion, aber du triffst keine Entscheidung für die andere Person.


Was kannst du überhaupt ausschließen und was nicht?

Wenn es um Haftung geht, ist die Frage, ob und wie du Haftungsansprüche überhaupt ausschließen kannst. Rechtlich gesehen gibt es Grenzen, was du in Verträgen ausschließen darfst. Hier hilft es, dich zu informieren, was der Gesetzgeber dazu sagt und welche Versicherungen es gibt, die dich absichern können.

Eine wichtige Unterscheidung ist die zwischen Vermögensschäden und körperlichen Schäden. Wenn du beispielsweise eine Praxis hast und jemand dort ausrutscht und sich verletzt, dann geht es um eine andere Art von Haftung als bei einem Vermögensschaden, der aus einer Entscheidung im Coachingprozess entsteht.

Daher empfehle ich dir, folgende Fragen für dich zu klären und aufzuschreiben:

  • Was genau machst du in deinem Coaching?
  • Mit wem arbeitest du?
  • Wie oft und in welchem Rahmen bietest du Coaching an?
  • Wo findet das Coaching statt (online, Praxis, bei der Coachee)?

Diese Informationen kannst du dann mit einem Versicherungsexperten oder einer Rechtsberatung durchsprechen, um herauszufinden, welche Absicherungen sinnvoll sind. Es ist auch hilfreich, mehrere Meinungen einzuholen, um dich nicht auf eine einzige Perspektive zu verlassen.


Wie gehe ich selbst mit der Frage nach Haftung um?

Ich selbst bin Mitglied in einem Verein, der eine Gruppenversicherung für Trainer und Coaches anbietet – der Trainerversorgung e. V.. Dort sind viele Kolleg:innen versichert, und die Konditionen sind oft günstiger als bei Einzelversicherungen. Für mich ist das eine gute Lösung, weil ich so ein Sicherheitsnetz habe, ohne mich selbst in Details verlieren zu müssen. Ich bekomme kein Geld für diese Nennung (Es ist eine unbezahlte Nennung, ich würde es nicht mal Werbung nennen, das sehen andere aber anders. Ich werbe dafür, dass Du Dir selbst einen Eindruck verschaffst über Deine Situation und Dich beraten lässt).

Wie gesagt, dieser Verein ist nur eine Option von vielen. Wichtig ist, dass du für dich klärst, wie du mit dem Thema umgehst und welche Risiken du bereit bist zu tragen. Dabei hilft es, immer wieder in deine Rolle als systemische Coachin zurückzukehren: Du bist Prozessbegleiterin, keine Beraterin, keine Expertin für Entscheidungen anderer. Das ist eine Grenze, die du klar ziehen darfst – auch für dich selbst.


Welche inneren Spannungen und Widersprüche können entstehen?

Wenn du in der Praxis bist, wirst du vielleicht merken, dass es gar nicht so einfach ist, diese Rolle immer klar zu halten. Du hast dein Wissen, deine Erfahrung, deine Haltung – und manchmal auch das Gefühl, helfen zu müssen, wenn jemand vor einer schwierigen Entscheidung steht. Das ist eine sehr menschliche Reaktion.

Hier lohnt es sich, immer wieder innezuhalten und dich selbst zu beobachten: Wo mische ich mich ein? Wo dränge ich? Wo nehme ich Einfluss, der vielleicht über das Coaching hinausgeht? Und wie wirkt sich das auf die Beziehung zu meiner Coachee aus?

Diese Selbstreflexion ist eine wichtige Ressource, um in der Rolle zu bleiben, die du gewählt hast. Gleichzeitig ist es auch ein Schutz vor Haftungsrisiken, weil du so deine Grenzen immer wieder bewusst wahrnehmen und kommunizieren kannst.


Wie kannst du dich konkret vorbereiten?

Ich lade dich ein, dir folgende Fragen zu stellen und schriftlich zu beantworten:

  • Wie verstehe ich meine Rolle als systemische Coachin?
  • Welche Verantwortung übernehme ich, welche nicht?
  • Wie kommuniziere ich meine Rolle und meine Grenzen gegenüber meinen Coachees?
  • Welche Risiken sehe ich in meiner Arbeit?
  • Welche Absicherungen habe ich oder brauche ich?

Wenn du diese Fragen beantwortet hast, kannst du gezielter Gespräche mit Versicherungs- oder Rechtsberater:innen führen. Du bist dann nicht mehr in der Rolle der Ratlosen, sondern kannst aus deiner Haltung heraus argumentieren und deine Bedürfnisse formulieren.


Konkrete nächste Schritte

  1. Schreibe auf, was du genau tust und mit wem du arbeitest. Beschreibe deine typischen Coachingprozesse.
  2. Informiere dich über verschiedene Versicherungen, die für Coaches relevant sind, z. B. Berufshaftpflicht oder Vermögensschadenhaftpflicht.
  3. Vereinbare mindestens zwei Beratungstermine mit unabhängigen Expert:innen, um unterschiedliche Perspektiven zu bekommen.
  4. Überprüfe deine Coachingverträge und AGBs im Hinblick auf Haftungsausschlüsse und Formulierungen zur Rollenklärung.
  5. Führe regelmäßige Selbstreflexionen zu deiner Rolle und deiner Einflussnahme in den Coachingprozessen durch.
  6. Vernetze dich mit anderen systemischen Coaches und tausche dich zum Thema Haftung und Absicherung aus.

Du suchst systemische Begleitung für Deinen Start als Coach?

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie herausfordernd die ersten Schritte in die Selbstständigkeit sein können – gerade wenn es um Themen wie Haftung, Absicherung und professionelle Haltung geht. Wenn du Unterstützung suchst, um deinen Weg klarer zu sehen und dich sicherer zu fühlen, dann lade ich dich ein, einen 15-minütigen kostenlosen Ersttermin mit mir zu buchen.

In diesem Gespräch schauen wir gemeinsam, wo du gerade stehst, was für dich im Moment sinnvoll ist und ob eine Zusammenarbeit für uns beide passt: Kostenlosen Ersttermin buchen.

Herzliche Grüße
Vera


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Welche Haftung muss ich als systemische Coach ausschließen?

Es gibt keine pauschale Antwort. Wichtig ist, deine Rolle klar zu definieren und zu verstehen, welche Risiken in deinem Coaching entstehen können.

Wie unterscheidet sich systemisches Coaching von Beratung im Hinblick auf Haftung?

Systemisches Coaching ist ein reflektionsgeleiteter Prozess ohne Ratschläge oder Entscheidungen, wodurch die Haftung für Entscheidungen der Coachee entfällt.

Welche Arten von Haftung gibt es im Coaching?

Man unterscheidet zwischen Vermögensschäden, die durch Coachingentscheidungen entstehen können, und körperlichen Schäden, z. B. bei Unfällen in der Praxis.

Wie kann ich mich als systemische Coachin absichern?

Informiere dich über Berufshaftpflicht- und Vermögensschadenhaftpflichtversicherungen und konsultiere unabhängige Experten für eine passende Absicherung.

Wie gehe ich mit inneren Spannungen bezüglich meiner Rolle um?

Regelmäßige Selbstreflexion hilft, deine Rolle klar zu halten und Grenzen bewusst wahrzunehmen, was auch Haftungsrisiken mindert.

Welche konkreten Schritte helfen bei der Vorbereitung auf Haftungsfragen?

Dokumentiere deine Coachingpraxis, informiere dich über Versicherungen, hole mehrere Expertenmeinungen ein und überprüfe deine Verträge.

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