Was muss ich meinem Arbeitgeber sagen, wenn ich systemische Coach werden will
Was muss ich meinem Arbeitgeber sagen, wenn ich systemische Coach werden will
Diese Frage hat für mich immer eine doppelte Dimension: eine sachliche und eine emotionale. Sie betrifft das, was wir kommunizieren müssen, um rechtlich und organisatorisch auf der sicheren Seite zu sein – und zugleich, wie wir uns in diesem Prozess zeigen wollen, wer wir sind und wie wir unsere Rolle gestalten. Ich möchte dich heute mitnehmen in meine Gedanken und Erfahrungen, die ich in meiner eigenen Entwicklung als nebenberufliche systemische Coachin gemacht habe. Dabei geht es nicht um allgemeine Regeln, sondern um die Haltung, mit der wir in diesen Dialog gehen können – und um die inneren Fragen, die dabei auftauchen.
Zuerst einmal: Ich bin keine Juristin. Was ich dir erzähle, basiert auf meinem Weg, auf Beobachtungen und auf der Reflexion meiner eigenen Entscheidungen. In deinem Fall kann es anders aussehen. Es ist wichtig, dass du dir Klarheit verschaffst, welche Regularien dein Arbeitgeber hat, welche gesetzlichen Vorgaben gelten und was für dich persönlich wichtig ist.
Als ich mich entschieden habe, systemische Coachin zu werden, war ich in einem festen Vollzeitjob mit ungefähr 35 Stunden pro Woche. Ich wollte nebenberuflich starten, um meine neue Rolle auszuprobieren und langsam zu wachsen. Der erste Schritt war für mich das Gespräch mit meinem Teamleiter und meinem Abteilungsleiter. Ich habe ihnen gesagt, was ich vorhabe, warum mir das wichtig ist und dass ich das offiziell anmelden möchte. Das war für mich ein bewusster Schritt, um Transparenz zu schaffen und meine Beziehung zu den Menschen, die mich führen, nicht zu belasten.
Vielleicht kennst du das Gefühl, dass du etwas verbergen möchtest, um Konflikte zu vermeiden oder um dich nicht angreifbar zu machen. Doch genau das Gegenteil ist mir passiert: Indem ich offen war, habe ich Vertrauen aufgebaut. Ich habe mich nicht nur als Mitarbeiterin gezeigt, sondern als Mensch mit einer Entwicklung, die auch meine Arbeit beeinflusst. Das hat meine Rolle im Team nicht geschwächt, sondern bereichert.
Rechtlich gesehen musste ich in meiner Situation angeben, wie viele Stunden ich nebenberuflich arbeiten wollte. Das ist wichtig, um sicherzustellen, dass ich die gesetzlich zulässige Arbeitszeit nicht überschreite – sei es im Durchschnitt oder an einzelnen Tagen. Außerdem musste ich beschreiben, was ich genau machen werde, damit geprüft werden kann, ob es Interessenkonflikte gibt: Arbeite ich vielleicht für die Konkurrenz? Erstelle ich etwas, was meinem Arbeitgeber schaden könnte? Trete ich in Konkurrenz zu meiner aktuellen Tätigkeit?
Diese Fragen werden oft unterschätzt, aber sie sind zentral. Sie helfen dir und deinem Arbeitgeber, die Grenzen zu klären und eine gemeinsame Basis zu schaffen. Ich habe dafür ein Formular ausgefüllt, das in der Personalakte abgelegt wurde. So war für alle klar, was ich tue, und ich hatte die Erlaubnis, nebenberuflich zu coachen. Dein Arbeitgeber darf dir eine Absage erteilen, wenn es berechtigte Gründe gibt. Deshalb ist es wichtig, die Situation ehrlich und sorgfältig zu prüfen.
Wie gehst du mit der inneren Spannung um, die dabei entstehen kann?
Vielleicht spürst du Unsicherheit, Angst vor Ablehnung oder Zweifel, ob du das überhaupt sagen darfst. Oft vermischen sich Beobachtung und Bewertung: Du siehst die Situation und bewertest sie sofort als riskant oder bedrohlich. Hier kann es helfen, einen Schritt zurückzutreten und zu unterscheiden: Was weißt du wirklich? Was sind deine Vermutungen? Welche Annahmen machst du über die Reaktion deines Arbeitgebers?
Reflektiere für dich: Was genau möchtest du kommunizieren? Was sind deine Beweggründe? Wie kannst du deine Botschaft so formulieren, dass sie deine Absichten klar macht, ohne dass du dich angreifbar fühlst? Und wie kannst du gleichzeitig zuhören und offen bleiben für die Perspektive deines Arbeitgebers?
Ich lade dich ein, dir diese Fragen zu stellen:
- Welche Erwartungen habe ich an mein Gespräch mit dem Arbeitgeber?
- Welche Befürchtungen tauchen in mir auf, und wie realistisch sind sie?
- Welche Informationen brauche ich, um gut vorbereitet zu sein?
- Wie kann ich meine Rolle als Mitarbeiter:in und als angehende Coachin klar unterscheiden und darstellen?
Wenn du diese Reflexionen durchläufst, wirst du merken, dass es nicht darum geht, eine perfekte Antwort zu finden, sondern eine Haltung zu entwickeln, die dich stärkt und dir Orientierung gibt.
Ein weiterer Perspektivwechsel, der mir geholfen hat, ist die Unterscheidung zwischen Struktur und Verhalten. Die Struktur ist das formale System – dein Arbeitsvertrag, die gesetzlichen Regelungen, die internen Prozesse. Das Verhalten ist, wie du dich darin bewegst: Wie kommunizierst du? Wie gehst du mit Widerständen um? Wie gestaltest du deine Rolle? Wenn du die Struktur als Rahmen verstehst, kannst du dein Verhalten darin flexibel und kreativ gestalten. Du bist nicht Opfer von Regeln, sondern Gestalterin deiner eigenen Entwicklung.
Gleichzeitig ist es wichtig, die Rolle zu reflektieren, die du in deinem aktuellen Job hast, und die Rolle, die du als Coach einnehmen möchtest. Diese Rollen sind nicht identisch, aber sie können sich ergänzen. Die systemische Haltung lehrt uns, dass wir immer in mehreren Systemen und Rollen zugleich agieren. Das kann Spannungen erzeugen, aber auch Chancen eröffnen.
Vielleicht hast du schon erlebt, dass dein Umfeld Erwartungen an dich hat, die nicht mit deinen eigenen Zielen übereinstimmen. Oder du spürst einen inneren Konflikt zwischen Sicherheit und Veränderung. Hier hilft es, genau hinzuschauen: Welche Erwartungen kommen von außen, welche von innen? Wie kannst du diese Spannungen aushalten und produktiv nutzen?
Ich habe mir immer wieder diese Fragen gestellt:
- Wie kann ich meine neue Rolle so entwickeln, dass sie meine bestehende Rolle ergänzt, ohne sie zu gefährden?
- Welche Grenzen will und kann ich setzen?
- Wie kann ich meine Arbeit als Coach in Einklang bringen mit den Anforderungen meines Hauptjobs?
Diese Fragen sind keine Hindernisse, sondern Wegweiser. Sie helfen dir, deine Position zu klären und deinen Weg zu gestalten.
Zum Schluss möchte ich dir auch Mut machen, dir Unterstützung zu holen. Nebenberuflich systemisch zu coachen ist eine Herausforderung, die viel Reflexion und Planung braucht. Es ist hilfreich, jemanden an der Seite zu haben, der dich begleitet, deine Situation versteht und mit dir gemeinsam Strategien entwickelt.
Ich biete dir an, in einem 15-minütigen kostenlosen Erstgespräch gemeinsam zu schauen, wo du gerade stehst, was für dich im Moment sinnvoll ist und ob eine Zusammenarbeit für uns beide passt. Es geht darum, dich zu stärken, nicht dich zu drängen.
Ich lade dich ein, jetzt einen Schritt zu machen: Überlege dir, was du deinem Arbeitgeber sagen möchtest, welche Fragen für dich noch offen sind und wie du dich auf das Gespräch vorbereiten kannst. Und wenn du Unterstützung möchtest, melde dich gern bei mir.
Konkrete nächste Schritte
- Informiere dich genau über die Regularien deines Arbeitgebers und die gesetzlichen Vorgaben zur Nebentätigkeit.
- Formuliere für dich schriftlich, was du vorhast, warum dir das wichtig ist und wie viele Stunden du investieren möchtest.
- Bereite ein Gespräch mit deinem Vorgesetzten vor, in dem du transparent und offen deine Pläne darlegst.
- Reflektiere deine inneren Spannungen und Erwartungen, um klar und ruhig kommunizieren zu können.
- Prüfe, ob es Interessenkonflikte gibt, und kläre diese frühzeitig.
- Suche dir eine Begleitung oder ein Netzwerk, das dich auf deinem Weg unterstützt.
Du suchst systemische Begleitung für Deinen Start als Coach?
In einem 15-minütigen kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, wo Du gerade stehst, was für Dich im Moment sinnvoll ist und ob eine Zusammenarbeit für uns beide passt.
Herzliche Grüße,
Vera
Du suchst systemische Begleitung für Deinen Start als Coach?
Ich bin Vera, systemische Lehrcoach iA und systemische Coach und helfe systemischen Coaches beim Businessaufbau in den ersten Monaten und darüber hinaus. Wenn du Unterstützung möchtest, lade ich dich herzlich ein, ein kostenloses 15-minütiges Erstgespräch mit mir zu buchen. Gemeinsam schauen wir, wo du gerade stehst und was für dich im Moment sinnvoll ist.
Warum sollte ich meinem Arbeitgeber von meiner Coaching-Ausbildung erzählen?
Um Transparenz zu schaffen, rechtliche Vorgaben einzuhalten und Vertrauen aufzubauen, damit deine Nebenbeschäftigung offiziell genehmigt wird.
Welche rechtlichen Aspekte muss ich beachten, wenn ich nebenberuflich coachen möchte?
Du musst angeben, wie viele Stunden du nebenberuflich arbeiten willst und prüfen, ob es Interessenkonflikte mit deinem Arbeitgeber gibt.
Wie kann ich innere Spannungen vor dem Gespräch mit meinem Arbeitgeber bewältigen?
Indem du deine Erwartungen, Befürchtungen und Fakten reflektierst und deine Botschaft klar und offen formulierst.
Was bedeutet die Unterscheidung zwischen Struktur und Verhalten in diesem Kontext?
Struktur sind die formalen Regeln und Prozesse, Verhalten ist, wie du dich darin bewegst und kommunizierst, um deine Rolle kreativ zu gestalten.
Wie kann ich meine neue Rolle als Coach mit meiner aktuellen Rolle im Job vereinbaren?
Indem du klare Grenzen setzt, deine Rollen unterscheidest und deine Arbeit als Coach ergänzend zu deinem Hauptjob entwickelst.
Wo finde ich Unterstützung beim Start als nebenberufliche systemische Coachin?
Du kannst dich an erfahrene Coaches wenden, Netzwerke suchen oder ein kostenloses Erstgespräch bei Vera buchen, um deine Situation zu klären.