Was ist überhaupt mein Geschäftsmodell als systemische Coachin?
Was ist überhaupt mein Geschäftsmodell als systemischer Coach
Immer wieder stelle ich mir diese Frage selbst – und ich vermute, du kennst das auch. Du hast die Ausbildung hinter dir, vielleicht erste Klient:innen, und dann stehst du da: Was genau ist eigentlich mein Geschäftsmodell? Wie verdiene ich mein Geld? Und was macht mein Angebot einzigartig? Gerade als systemische Coachin, die aus einer Haltung des Verstehens und Begleitens heraus arbeitet, ist das keine triviale Frage. Denn ein Geschäftsmodell ist kein starres Konstrukt, sondern ein lebendiges Gefüge, das sich aus vielen Beobachtungen, Unterscheidungen und Entscheidungen zusammensetzt.
Ich möchte dich einladen, mit mir gemeinsam diesen Begriff zu erkunden – nicht als theoretisches Konstrukt, sondern als eine Praxis, die du gestalten kannst. Dabei nehme ich dich mit auf meine persönliche Reise und meine Perspektive als systemische Coachin mit konstruktivistischer Haltung.
Was bedeutet Geschäftsmodell eigentlich?
Wenn ich über Geschäftsmodell nachdenke, versuche ich, es nicht nur als Begriff zu verstehen, sondern als eine Art Landkarte, die mein Tun, meine Angebote, meine Kund:innen und meine Wertschöpfung abbildet. Konkret heißt das für mich: Ein Geschäftsmodell beantwortet die Fragen
- Was biete ich an?
- Für wen tue ich das?
- Wie entsteht daraus ein Wert – für die Kund:innen und für mich?
- Und wie gestalte ich die Herstellung und Lieferung dieses Angebots?
Diese Fragen sind nicht nur nüchterne Fakten, sondern Beobachtungen, die ich immer wieder neu befragen kann. Sie sind keine festen Wahrheiten, sondern Konstruktionen, die ich verändere, wenn ich andere Perspektiven einnehme oder neue Erfahrungen mache.
Ich erinnere mich an das Beispiel des Bäckers, das ich oft nutze, um Geschäftsmodelle zu erklären. Ein Bäcker backt Brot und verkauft es in der Filiale. Das ist sein Geschäftsmodell. Aber wenn er einen Lieferservice einrichtet, verändert sich das Geschäftsmodell grundlegend: Er verkauft nicht mehr nur Brot, sondern Bequemlichkeit und Verlässlichkeit. Die Kund:innen bekommen ihr Brot nach Hause geliefert, er schafft eine neue Beziehung, vielleicht sogar ein Abo-Modell – und damit ein planbares Einkommen.
Dieses Beispiel zeigt für mich, wie wesentlich es ist, das Geschäftsmodell als dynamisch zu verstehen. Es ist eine Konstruktion, die sich aus der Beobachtung dessen ergibt, was ich tue, wie ich es tue, für wen ich es tue und wie ich dafür entlohnt werde.
Wie übersetze ich das auf mein Coaching-Business?
Wenn ich an mein eigenes Coaching-Business denke, sehe ich oft die Versuchung, mein Geschäftsmodell einfach auf einzelne Stunden zu reduzieren: Ich biete eine Stunde Coaching an, die Kundin zahlt, wir treffen uns, und das war’s. Doch diese Perspektive greift zu kurz.
Denn systemisches Coaching ist ein Prozess, der sich nicht immer in festgelegte Zeiteinheiten pressen lässt. Manchmal braucht es nur eine Stunde, manchmal mehrere. Und manchmal endet die Zusammenarbeit ganz unerwartet – weil die Kundin genau das bekommen hat, was sie brauchte.
Wenn ich das Geschäftsmodell so betrachte, komme ich in einen Widerspruch: Einerseits will ich flexibel bleiben, andererseits brauche ich Planungssicherheit und eine klare Struktur, um wirtschaftlich arbeiten zu können.
Hier hilft mir die Unterscheidung zwischen Produkt und Leistung: Mein Produkt ist nicht nur die einzelne Coaching-Stunde, sondern vielleicht ein Paket, ein Programm oder ein Seminar. Das verändert die Beziehung zu den Kund:innen und auch die Art, wie ich Einkommen generiere.
Ich erinnere mich an eine Kundin, die zunächst nur eine Stunde buchen wollte, dann aber merkte, dass sie für ihr Thema mehr Zeit braucht und sich für ein 5er-Bundle entschied. Das gab ihr Sicherheit und mir Planung. Doch ich weiß auch, dass solche Pakete nicht für alle passen. Wenn die Kundin nach der ersten Stunde sagt: „Danke, das reicht“, dann kann ich das nicht erzwingen. Hier zeigt sich die Spannung zwischen wirtschaftlicher Planung und systemischer Haltung.
Welche Rolle spielt die Kund:innengruppe in meinem Geschäftsmodell?
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Frage: Für wen biete ich mein Coaching an? Privatpersonen, die sich beruflich oder persönlich weiterentwickeln wollen? Oder Unternehmen, die Führungskräfte coachen lassen? Oder vielleicht beide – aber mit unterschiedlichen Angeboten?
Die Kund:innengruppe beeinflusst mein Geschäftsmodell maßgeblich. Unternehmen arbeiten oft mit Stundenkontingenten oder Rahmenverträgen, die eine gewisse Planbarkeit bieten. Privatkund:innen kaufen eher einzelne Stunden oder kleine Pakete – und sind oft weniger planbar.
Wenn ich das beobachte, sehe ich, dass ich mein Angebot und mein Geschäftsmodell an die jeweiligen Bedürfnisse und Strukturen der Kund:innen anpassen muss. Das heißt, ich muss unterscheiden: Was ist mein Produkt für die eine Gruppe? Und was für die andere? Welche Form der Bezahlung ist möglich und sinnvoll? Wie sieht die Beziehung aus?
Diese Unterscheidungen helfen mir, Klarheit zu gewinnen und mein Geschäftsmodell gezielter zu gestalten. Gleichzeitig bleibt Raum für Flexibilität und individuelle Anpassung.
Wie kann ich mein Geschäftsmodell reflektieren, ohne in einfache Lösungen zu verfallen?
Die Versuchung ist groß, auf die Frage nach dem Geschäftsmodell eine einfache Antwort zu finden: „Ich biete Coaching an und verkaufe Stunden.“ Doch das greift zu kurz und übersieht die Komplexität und die Dynamik, die in einem systemischen Coaching-Business stecken.
Ich lade dich ein, immer wieder innezuhalten und dein Geschäftsmodell als eine Beobachtung zu verstehen, die du selbst gestaltest. Welche Angebote hast du? Für wen? Wie entsteht Wert? Wie sieht die Beziehung aus? Wie planbar ist dein Einkommen?
Stelle dir dabei Fragen wie:
- Welche Spannungen erlebe ich zwischen Flexibilität und Planung?
- Wie unterscheide ich zwischen Produkt und Leistung?
- Welche Kund:innengruppen bediene ich, und wie unterscheiden sich ihre Bedürfnisse?
- Wie gestalte ich die Beziehung zu meinen Kund:innen so, dass sie sowohl systemisch sinnvoll als auch wirtschaftlich tragfähig ist?
Diese Fragen sind keine Checkliste, sondern Einladung zu einem Perspektivwechsel und zur Selbstreflexion.
Was bedeutet das für dich konkret?
Wenn du dich fragst, was dein Geschäftsmodell als systemische Coachin ist, dann lade ich dich ein, es als etwas Lebendiges zu verstehen. Es ist keine fertige Formel, sondern ein Prozess, den du gestalten kannst.
Schreibe dir auf:
- Was biete ich konkret an? (Coaching, Seminare, Mediation, Programme)
- Für wen mache ich das? (Privatpersonen, Unternehmen, Gruppen)
- Wie funktioniert die Bezahlung? (Einmalig, regelmäßig, Pakete, Stundenkontingente)
- Wie entsteht der Wert für meine Kund:innen? (Problemlösung, Entwicklung, Begleitung)
- Welche Spannungen und Widersprüche erlebe ich dabei?
Diese Beobachtungen helfen dir, dein Geschäftsmodell immer wieder neu zu denken und zu gestalten.
Konkrete nächste Schritte
- Nimm dir Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme: Schreibe auf, was du aktuell anbietest, an wen, wie du bezahlst wirst und wie du deine Leistung erbringst.
- Reflektiere deine Erfahrungen mit Kund:innen: Wo gab es Überraschungen? Was hat gut funktioniert, was weniger? Welche Muster erkennst du?
- Probiere aus, dein Angebot zu variieren: Biete zum Beispiel ein 3er- oder 5er-Paket an oder entwickle ein kleines Seminar. Beobachte, wie sich das auf deine Planung und deine Kund:innenbeziehung auswirkt.
- Suche den Austausch mit Kolleg:innen: Wie gestalten sie ihr Geschäftsmodell? Welche Erfahrungen und Perspektiven kannst du daraus gewinnen?
- Halte deine Beobachtungen und Reflexionen schriftlich fest – so kannst du immer wieder darauf zurückkommen und dein Modell weiterentwickeln.
Du suchst systemische Begleitung für Deinen Start als Coach?
Wenn du dich gerade an diesem Punkt befindest, an dem du dein Geschäftsmodell als systemische Coachin klären möchtest, dann lade ich dich herzlich zu einem 15-minütigen kostenlosen Erstgespräch ein. Wir schauen gemeinsam, wo du gerade stehst, was für dich im Moment sinnvoll ist und ob eine Zusammenarbeit für uns beide passt.
Herzliche Grüße
Vera
Nächster Schritt
Ich bin Vera, systemische Lehrcoach iA und systemische Coach, und helfe systemischen Coaches beim Businessaufbau in den ersten Monaten und darüber hinaus. Wenn du dein Geschäftsmodell als systemische Coachin klären möchtest, lade ich dich herzlich zu einem 15-minütigen kostenlosen Erstgespräch ein. Gemeinsam schauen wir, wo du gerade stehst und wie du weiterkommen kannst.
Was ist ein Geschäftsmodell im Coaching-Business?
Ein Geschäftsmodell ist eine Landkarte, die das Tun, die Angebote, die Kund:innen und die Wertschöpfung abbildet. Es beantwortet Fragen wie: Was biete ich an? Für wen? Wie entsteht Wert? Und wie liefere ich mein Angebot?
Wie unterscheidet sich ein Produkt von einer Leistung im Coaching?
Ein Produkt kann ein Paket, Programm oder Seminar sein, während eine Leistung oft eine einzelne Coaching-Stunde ist. Produkte verändern die Beziehung zu Kund:innen und die Art der Einkommensgenerierung.
Warum ist die Kund:innengruppe wichtig für das Geschäftsmodell?
Die Kund:innengruppe beeinflusst Angebot, Bezahlformen und Beziehungsgestaltung. Unternehmen und Privatpersonen haben unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen, die das Geschäftsmodell prägen.
Wie kann ich mein Geschäftsmodell reflektieren?
Indem du dein Geschäftsmodell als Beobachtung verstehst, die du selbst gestaltest, und Fragen zu Angeboten, Kund:innengruppen, Wertschöpfung und Planung stellst. Es ist ein Prozess der Selbstreflexion und Anpassung.
Welche nächsten Schritte helfen beim Aufbau des Geschäftsmodells?
Zeit für Bestandsaufnahme nehmen, Erfahrungen reflektieren, Angebote variieren, Austausch mit Kolleg:innen suchen und Beobachtungen schriftlich festhalten: Was ist mein Angebot für wen? Wie stelle ich die Leistung her? Wie nehme ich dafür Geld ein? Welche Kosten habe ich?
Was mache ich, wenn eine Kundin nach der ersten Stunde sagt, das reicht?
Das kannst du nicht erzwingen. Es zeigt die Spannung zwischen wirtschaftlicher Planung und systemischer Haltung, die Flexibilität und Offenheit erfordert.